Liebe Freunde der MKG (♀♂),

ich begrüße Sie heute im Namen aller Künstler dieser Ausstellung, deren Titel lautet: „Zurück in die Zukunft!“ Wir haben diesen Titel bewusst gewählt, weil wir uns hier an einem Ort befinden, mit dem die Münchener Künstlergenossenschaft historisch verbunden ist.

Schon um 1850 diskutierte man in der Münchner Künstlerschaft, dass es einen Ort geben müsste, wo die einzelnen Münchner Künstlergruppen eine gemeinsame Heimat hätten. In den nächsten Jahrzehnten gewann diese Idee immer mehr an Kraft, bis nach mehreren Stadien dieses Haus im März 1900 eröffnet wurde. Maßgeblichen Anteil daran hatte der bekannte Maler Franz von Lenbach, der berühmteste Präsident der MKG. Als einer seiner Nachfolger hoffe ich, dass er heute geistig anwesend ist.

Wir sind heute also zurückgekehrt an einen Ort, dessen Grundidee es war, eine Begegnungsstätte zu schaffen zum künstlerischen Austausch und gegenseitiger Befruchtung im Kontakt mit dem Bürgertum der Stadt. Ein Ziel, das nach über 120 Jahren noch immer durch das vielfältige kulturelle Programm des Hauses am Leben gehalten wird. Früher durch das Ehepaar Peter und Maja Grassinger und heute durch Frau Birgit Gottschalk und ihr Team. Wir können daran sehen, dass Ideen von Wert nie wirklich verschwinden, sondern immanent in der Welt existieren, auch wenn es Zeiten gibt, in denen sie scheinbar schwächer zu sein scheinen.

Ich nerve meine Kollegen oft, wenn ich verkünde, dass es die Münchener Künstlergenossenschaft gar nicht gibt, sondern nur die Idee der MKG, so wie die Fünfte von Beethoven nur dann lebendig ist, wenn ein Orchester die schwarzen Punkte auf den Notenlinien zum Leben erweckt. Also: das Orchester sind wir.

Welcher Austausch, welche Künstlerfeste, welch quirliges Leben in diesen Räumen stattfand, können wir uns heute kaum vorstellen im Zeitalter von Netflix und Konsorten. Deshalb möchten wir mit dem diesjährigen Kalender eine Reihe vorstellen, die mit historischen Fotos aus dem Besitz der MKG einen kleinen Eindruck vermittelt, wie Künstler vor über 100 Jahren in München die Kunst feierten und lebten. Dieser historischen Vergangenheit sind wir uns in der Münchener Künstlergenossenschaft bewusst. Auch aus diesem Grund haben wir uns der Pflege der gegenständlichen Kunst verschrieben, die seit vielen Jahren in allen Künstlerkreisen gepflegt wird. Manchmal erlaube ich mir den Witz, dass die MKG schon immer Avantgarde war, nur keiner wusste es.
Bis jetzt habe ich rudimentär über die Geschichte gesprochen, also über das „Zurück“.

Nun gestatten Sie mir einige Sätze zu dem Wort „Zukunft“ in unserem Ausstellungstitel.
Wie wir alle aus eigener Lebenserfahrung wissen, kann jede Krise Kräfte und Bewusstsein erwecken, das es vorher nicht gab. Für uns in der Pandemie bedeutete es, die Instrumente nicht wegzulegen und das Orchester am Spielen zu halten. Als erstes gelang es uns in der Pandemie, einen Förderverein zu gründen. Damit aber nicht genug. 2021 machte sich die MKG zukunftsfähig, indem sie mit einem professionellen Format ihre erste digitale Ausstellung vorstellte. Gerne erinnere ich mich an unsere Ausstellungseröffnung, die wir hier aus dem Haus live online mit Frau Gottschalk gestalten durften. Wir wollten der Pandemie nicht gestatten, uns in die Unsichtbarkeit zu verdrängen. Und ich sage ganz offen, dass wir ohne diese Schwierigkeiten nicht auf die Idee gekommen wären, uns mit viel Anstrengung und großem finanziellen Einsatz in der digitalen Welt zu verankern. Wie sehr wir uns damit auf dem richtigen Weg befanden und befinden, zeigte uns die Reaktion von unserem heutigen Schirmherr Minister Sibler, der uns eine wunderbare Grußbotschaft per Video zusandte.

Dass die MKG sich ganz vorne befindet mit ihren Aktivitäten, möchte ich kurz zeigen. Vor kurzem gab es einen vielbeachteten Vortrag von Herrn Hollein, dem Direktor des Metropolitan Museums, mit dem Titel: „Kunstmuseum im digitalen Zeitalter“. Insgesamt 54 Mitarbeiter seines Museums kümmern sich seit einiger Zeit im „Digital Department“ um die Präsenz der Sammlung im digitalen Raum und den Sozialen Medien. Selbst die ehrwürdigen Uffizien in Florenz zeigen ihre Werke auf TikTok, der bekannten Social-Media-Plattform. Auch haben sich Galerien und Kunsthandel auf mannigfaltigen Plattformen im Internet etabliert, um ihre Kunstwerke zum Verkauf anzubieten.

Eine Erkenntnis aber ist wichtig: Präsenz-Ausstellung und digitale Ausstellung können sich gegenseitig nicht ersetzen. Vielleicht könnte man zusammenfassend sagen, dass eine hybride Ausstellungsaktivität die Zukunft sein wird. Das Kunstpublikum wird sich nie von der direkten Begegnung mit dem Kunstwerk abbringen lassen, die Inspiration durch ein digitales Format aber gerne annehmen.

Ich habe versucht, den Titel unserer Ausstellung „Zurück in die Zukunft“ mit einigen Sätzen transparent zu machen. Es wäre noch viel zu sagen, aber mit Erich Kästner „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“ möchte ich schließen. Wir alle hoffen, dass die Welt wieder in sicheres Fahrwasser gelangt und wir Künstler wieder ohne Beschränkungen unserem Publikum unsere Werke zeigen können.

Ihr Nikos W. Dettmer
Präsident

Nikos W. Dettmer
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